10 Gründe, um an das neue Barça zu glauben!

Das katalanische Online-Sportmagazin Sport.es ist ja bekanntlich Pro-Barça eingestellt. Heute erschien irgendwie passend zu dem verkorksten Saisonstart (nur 1 Niederlage und 1 Unentschieden) ein Artikel mit der Überschrift „10 Gründe, um an Barça zu glauben„.

Diesen Artikel habe ich als kritischer Barça-Fan mal etwas genauer unter die Lupe genommen. Hier sind sie also nun, die Gründe (laut Sport.es), warum man von dem neuen Barça-Projekt in dieser Saison noch eine Menge erwarten kann. Darunter folgen einige persönliche Eindrücke.

1. Guardiola vermittelt eine große Freude und absolutes Vertrauen

Dass Guardiola mit Leib und Seele sein neues Barça führt, kann ihm keiner abstreiten. Er ist durch und durch „Barcelonist“ und investiert die 24 Stunden des Tages in den Fußball. Diese und weitere Eigenschaften machen ihn zur idealen Führungsperson und sorgen sowohl bei Fans als auch beim Vorstand für Enthusiasmus.

Persönlicher Eindruck: Ich denke, bei jedem anderen Trainer hätte man nach einem solchen Saisonstart eine ganz andere Reaktion erlebt. Aber Guardiola scheint aufgrund der Leistungen, die er bereits als Spieler und zuletzt auch als Trainer der B-Mannschaft für den Klub erbracht hat, momentan noch unantastbar zu sein. Anfangs war ich aufgrund der Unerfahrenheit von Pep etwas skeptisch, doch mittlerweile denke ich, dass er wirklich der Richtige für die Aufgabe ist. Wichtig ist nun, endlich mal einen Sieg einzufahren und vor allem auch in der Champions League einen optimalen Start hinzulegen.

2. Messi ist der beste Spieler der Welt und sein Engagement ist hundertprozentig

Barça hat mit Messi den besten Spieler der Welt in seinen Reihen. Der Argentinier hebt sich von allen anderen Spielern durch seine individuelle Klasse ab. Sein einziges „Handicap“, wenn man es als solches bezeichnen kann, ist seine Verletzungsanfälligkeit, wobei er glücklicherweise in dieser Saison bisher verschont geblieben ist. Seine Weltklasse konnte er in den letzten Wochen noch nicht unter Beweis stellen. Einerseits war er aber auch anderthalb Monate mit der Nationalmannschaft unterwegs, andererseits hat er sich noch nicht vollständig mit dem neuen Spielsystem Guardiolas vertraut gemacht.

Persönlicher Eindruck: Messi ist sicherlich ein Ausnahmespieler, aber ich würde mich nicht soweit aus dem Fenster lehnen und behaupten, dass er der weltbeste ist, zumindest noch nicht. Denn nicht er, sondern Cristiano Ronaldo ist Europas Torschützenkönig geworden und hat zudem mit ManU die Champions League gewonnen. Nicht zu vergessen sind aber auch weitere Spieler wie Fernando Torres, Benzema, Adebayor oder Drogba, die alle in der letzten Saison eine Stufe unter Ronaldo anzusiedeln waren (obwohl „CR7“ bei der EM nicht wirklich geglänzt hat, aber die Fakten sprechen nunmal für ihn). Messi hat aber auf jeden Fall das Potential, um in dieser Saison was ganz großes zu bewirken.

3. Im Kader befindet sich der beste Spieler der Europameisterschaft

Messi ist sicher der sogenannte „Crack“ des Kaders, doch Guardiola hat mit Xavi außerdem einen Qualitätsgaranten, der nicht zufällig auch zum besten Spieler der EM 2008 gewählt worden ist. Der Mittelfeldspieler, zusammen mit den anderen zwei Nationalspielern Puyol und Iniesta bilden das Herz der Mannschaft. Sie verkörpern die Barça-Philosophie und gehören somit zu den Eckpfeilern der neuen Guardiola-Ära.

Persönlicher Eindruck: Für mich hat die Mittelfeldachse Xavi-Iniesta in der letzten Saison bei Barça lange nicht so brilliert wie in der Nationalmannschaft zusammen mit Silva und Senna (insbesondere bei der EM). Es wird sich eben zeigen, wie sich die beiden an das neue System adaptieren. Was die Fähigkeiten anbelangt, so zähle ich die beiden zweifelsohne zu den besten Mittelfeldspielern der Welt!

4. Die Verpflichtung von Alves garantiert einen starken rechten Flügel

Dani Alves hat zwar ebenfalls noch damit Probleme, sich in das neue System von Guardiola einzufinden, doch sind die meisten Beobachter davon überzeugt, dass er seine Klasse schon bald unter Beweis stellen wird. Die ihm von Guardiola zugeteilte Aufgabe ist recht anspruchsvoll, da er sowohl in der Defensive als auch im Angriff eine enorme Verantwortung übernehmen soll. Aber gerade in der Offensive wird er mit Messi den idealen Partner haben, um den rechten Flügel zu einer Gefahrenquelle für jeden Gegner werden zu lassen.

Persönlicher Eindruck: Sehe ich genauso. Alves, ähnlich wie viele neue Spieler (z. B. Pepe oder Robben bei Real Madrid) braucht meiner Meinung nach einfach noch ein wenig Zeit, aber wer ihn aus Sevilla-Zeiten kennt, weiß welche Leistung er abzurufen vermag, daher sollte man hier einfach etwas geduldig sein. Doch Alves hin oder her, es wurde meines Erachtens viel zu viel in die Abwehr und viel zu wenig in einen ertragreichen Sturm investiert. Ein Ronaldinho-Ersatz fehlt und auch ein Torgarant (abgesehen von Etoos Launen) wurde ebenfalls nicht verpflichtet.

5. Die Mannschaft ist geschlossen, es herrscht Einheitlichkeit und man wahrt die Disziplin

Mit der Ankunft des katalanischen Trainers gehören die Selbstverwaltung sowie weitere aus der vergangenen Saison bekannte Laster endgültig der Vergangenheit an. Pep Guardiola fordert Einsatz, Disziplin, Professionalität, Arbeit und Aufopferung. Der Dialog wird gefördert, um auftretende Probleme bereits im Keim zu ersticken. Die Spieler haben erkannt, dass sie alle zusammen am gleichen Strang ziehen müssen.

Persönlicher Eindruck: Zumindest während der Vorsaison konnte dieser Eindruck bestätigt werden. Die Mannschaft wirkte geschlossen und entschlossen, spielte aggressiv und hatte die Gegner fast immer fest im Griff. Etwas, was man in der letzten Saison schmerzlich vermisst hatte.

6. Das niedrige Durchschnittsalter des aktuellen Kaders gewährleistet die Zukunft des Projekts

Guardiola setzt ganz klar auf die eigene Jugendabteilung. Und kein anderer dürfte die Stärken der jungen Talente besser kennen als der ehemalige Coach der B-Mannschaft. Aus dieser B-Mannschaft hat er zwei neue Spieler – Pedrito und Victor Sánchez – mit ins Boot geholt sowie Spielern wie Sergio Busquets eine Chance gegeben. Langfristig werden diese Spieler viel von sich hören lassen.

Persönlicher Eindruck: Auch hier ist wieder Geduld gefragt. Besonders Pedrito hat mir aber persönlich während der Vorsaison schon mal sehr gut gefallen. Wird halt die Frage sein, wie erfahrene Stars und junge Talente miteinander harmonieren.

7. Eto'o hat einen ausgeprägten Torinstinkt und wird der entscheidende Stürmer sein

Sicher entspricht Eto'os Torausbeute in der laufenden Saison nicht den Erwartungen, die nach der überragenden Vorsaison an ihn gestellt worden sind, doch es gibt keine Zweifel daran, dass er kaum zu stoppen sein wird, wenn er erstmal auf Trab gekommen ist. Bisher hat er in den beiden Liga-Spielen unter seinen Möglichkeiten gespielt. Doch andererseits sprechen die Zahlen eindeutig für ihn: in 151 Spielen hat er 96 Tore erzielt. Das macht 0,63 Tore pro Spiel.

Persönlicher Eindruck: Eto'o ist ein sehr launischer Spieler. Bei ihm fehlt mir ein wenig die Konstanz, sowohl auf dem Spielfeld als auch abseits. Momentan ist er der einzige Stürmer, der überzeugen konnte, zumindest was die Vorsaison angeht, doch darf Barça nicht von der Laune eines einzelnen Spielers abhängig sein. Hier hätte man – wie bereits angedeutet – in einen zweiten Tore-Liferanten (Bsp. Drogba, Arshawin, Adebayor, etc.) investieren sollen.

8. Die Mannschaft muss noch die Automatismen verinnerlichen, die das neue System vorgibt

Kein neues Projekt läuft auf Anhieb reibungslos. Schließlich wurde fünf Jahre lang mit einer sehr spezifischen Arbeitsweise und System gearbeitet, und nun kommt ein neuer Trainer, der eine völlig unterschiedliche Methodik anwendet. Das neue Spielsystem ist geprägt von Automatismen, welche von den Spielern noch verinnerlicht werden müssen. Dies war aufgrund der Verpflichtungen mit ihren Nationalmannschaft teilweise noch nicht möglich.

9. Die Fans stehen hinter der Mannschaft und glauben an eine schnelle Reaktion

Die Fans glauben fest an die Fähigkeiten von Pep Guardiola, um die Mannschaft in eine Siegertruppe zu verwandeln. Die Klub-Mitglieder haben noch nicht das Kriegsbeil ausgegraben, obwohl bisher nur ein Punkt aus zwei Spielen herausgeholt werden konnten.

Persönlicher Eindruck: Hier wird meiner Meinung nach etwas voreilig pauschalisiert und für alle Fans gesprochen. Wie die allgemeine Stimmung momentan ist, kann eigentlich noch nicht genau beurteilt werden. Soweit ich mitgekriegt habe, ist das Fanlager jedoch gesplittet. Während die eine Gruppe bereits jetzt schon leise von einem Versagen spricht, scheint die andere Gruppe wirklich an den neuen Coach zu glauben.

10. Das Pech einer ganzen Saison wurde bereits verbraucht

Sicherlich werden die meisten, welche die beiden bisherigen Barça-Spiele verfolgt haben, der Meinung sein, dass man so viel Pech eigentlich gar nicht haben kann. Unzählige Chancen wurden nicht verwertet, während der Gegner gleich bei der ersten Gelegenheit das Gegentor machte. Es kann also praktisch nur noch besser werden.

Persönlicher Eindruck: Sicher eine etwas naive Einstellung, denn in der letzten Saison gab es jede Menge Spiele, in denen Barça zwar dominiert, es aber versäumt hat, die vielen Chancen zu verwerten. Ohne einen zuverlässigen Sturm ist dies aber auch nicht möglich.

Eure Meinung ist nun gefragt! Was haltet Ihr vom neuen Barça? Wird es in dieser Saison zum Glanz längt vergangener Tage wiederfinden oder dort weitermachen, wo es in der letzten Saison aufgehört hat?

Ein Kommentar

ulizinho sagt:

Schöner Text, ich bin ja durchaus auch hoffnungsvoll trotz des Fehlstarts in der Liga. Dennoch hier meine 5 Gründe warum es vielleicht doch nichts wird mit den Titelträumen:
1. Henry. Der falsche Spieler am falschen Platz. Ein linker Flügelmann konnte nicht verpflichtet werden, Henry fremdelt immer noch und Bojan hat noch nicht das Kaliber. Schade dass Jeffrén nicht aus Barca B befördert wurde.
2. Abidal. Man fühlte sich gleich sicherer, als Puyol gegen Sporting die linke Seite beharkte, aber das wird sicher nicht der Normalfall sein. Abidal bleibt ein Unsicherheitsfaktor.
3. Die Abwehr. Kaum eine Mannschaft wird so eine Trefferquote gegen sich haben wie Barca. Es werden kaum Chancen zugelassen, die sitzen dann aber oft genug auch. Pique scheint eine Verstärkung zu sein, bald ist Gabi Milito zurück, aber nominell war auch schon letzte Saison alles top.
4. Chancenverwertung. Chancen werden immer herausgespielt, dank unseres auf Ballbesitz und Dominanz angelegten Spiels. Warum Hochkaräter wie Henry, Eto’o oder Messi aber so selten ins Schwarze treffen ist mir völlig unklar.
5. Beton. Die ersten beiden Spiele haben es schon gezeigt, wer mit 11 Mann 90 Minuten lang genügsam den einen Punkt verteidigt, stellt Barca vor ein kaum lösbares Problem. Im Zusammenspiel mit Grund 2 können daraus sogar 3 Punkte werden.

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