“No sports!”, dieses Zitat ist zur Legende geworden. Mit diesen Worten soll der ehemalige britische Premierminister Winston Churchill einem Reporter auf die Frage geantwortet haben soll, wie er als leidenschaftlicher Zigarrenraucher und Whiskytrinker sein hohes Alter erreicht habe. Dabei war Churchill in seinen jungen Jahren als Fechter, Schütze, Reiter und Polospieler durchaus sportllich aktiv. Aber wo genau beginnt eigentlich Sport, und was ist mit Denksportarten wie Schach oder Pokern? Tatsächlich gehören bespielsweise zu den ausgeklügelten Poker Strategien der Top-Spieler jede Menge Ausdauervemögen und Konzentration.
Ein Lexikon wie das Oxford Dictionary weiß es natürlich ganz genau: “Eine Sportart ist eine organisierte, wettkampforientierte, unterhaltsame und vom Können abhängige Aktivität, welche Hingabe, Strategie und Fair Play erfordert und in der Sieger und Verlierer durch objektive Maßstäbe ermittelt werden können.” Tatsache ist, dass viele Pokerfans davon überzeugt sind, einen “richtigen” Sport auszuüben. Unbestritten ist, dass für Topspieler körperliche Fitness und auch körperliches Training wichtig sind, um am Spieltisch gute Ergebnisse einzufahren. Bekannt ist auch, dass der amtierende Pokerweltmeister Pius Heinz sich durch das Know-how und die Ratschläge von Fitness-Coaches Unterstützung holt – sogar die richtige Ernährung gehört zu seinem Erfolgsprogramm.
Dass Atmung und Pulsfrequenz bei einem gut dotierten Turnier in die Höhe gehen, ist nicht verwunderlich. Nicht wenige Spieler geraten durch die allgemeine Belastung beim Pokern ins Schwitzen – wird also auch dem Körper beim Bluffen eine Höchstleistung abverlangt?
Legt man Wettkampf und Leistung zugrunde, ist Poker in den Augen vieler ein Sport. Ein Sport, der die Konzentration, strategisches Denken, schnelles Rechnen und Beobachtungsgabe fördert. Wer um Ranglistenpunkte spielt, so argumentieren sie, fördert auch sein Durchhaltevermögen.
Für andere hingegen ist Pokern ein reines Kopfspiel. Das Fehlen von physischer Aktivität ist für sie Grund, Poker nicht als Sport zu betrachten. “Es ist ein Kopfspiel, ein Kampf des Verstandes, ein Wettbewerb der Intelligenz und des Instinkts. Es sollte nicht neben (und sicherlich auch nicht hinter) Wettbewerben von purer Kraft und Schnelligkeit stehen”, schrieb die bekannte britische Poker-Journalistin Victoria Coren.
So wurde Poker von der International Mind Sports Association (IMSA) offiziell als Denksport (“Mind Sport”) anerkannt und wird neben Bridge, Schach und Dame bei den World Mind Sports Games 2012 gespielt.
Ob Poker noch einen weiteren Schritt machen kann und in die Riege populärer Sportarten wie Fußball, Tennis oder Handball vordringt? Um diese Frage zu beantworten, werden wohl noch weltweit eine Menge Hände gespielt werden müssen.
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