Hysterie und Polemik prägen den 5. Spieltag

Fußballderbys unterscheiden sich von normalen Spielen durch den erhöten Anteil an Dramatik und Emotionen. Beide Zutaten neigen oftmals dazu, den Spielverlauf derartig zu beeinflussen, dass die Relation Favorit-Außenseiter außer Kraft gesetzt wird.

Auch das gestrige Derby zwischen Espanyol und dem FC Barcelona war ein sehr emotionales und dramatisches, aber leider auch ein sehr polemisches und trauriges. Auch noch Tage später wird es hierzu Gesprächs- und Diskussionsstoff geben.

Fangen wir aber zunächst bei den Tatsachen an. Es war das letzte Derby im Montjuic-Stadion, das Vierzehnte. Historisch sollte es also werden und… hysterisch und polemisch wurde es. Auf den Rängen zeigte sich hierfür ein armer Haufen radikaler Fans verantwortlich, während auf dem Platz ein eigenwilliger Schiri Cantalejo die Eigendynamik des Spiels immer wieder aufs Neue zerstörte.

Barça macht das Spiel und Espanyol das Tor

Barcelona startete gut in das Spiel, dominierte es nach Belieben. Es war wie so oft schon in dieser Saison. Höhere Spielanteile und Ballbesitz produzierten eine Chance nach der anderen, die alle jedoch vergeben wurden, was einerseits am Pech (Lattentreffer von Xavi), andererseits aber auch an den blitzartigen Reflexen von Espanyol-Keeper Kameni lag.

Anhänger von Espanyol. Foto By XN44 @ Flickr.com

Anhänger von Espanyol. Foto By XN44 @ Flickr.com

Die Gastgeber kamen in der ersten Viertelstunde kaum über die eigene Hälfte und hätten der Logik nach schon lange hinten liegen müssen. Doch Logik zählt beim Fußball oft nicht, bei Derbys schon gar nicht. So war es  wenig verwunderlich, dass ausgerechnet Espanyol in der 19. Minute in Führung ging. Ein von Piqué schlecht abgewehrter Ball schwebte im Fünfmeterraum genau über Victor Valdéz, doch der Keeper fauste den Ball direkt vor die Füße von Coro. Man muss aber dabei auch zugeben, dass Valdéz leicht von Luis García behindert wurde. Coro war das jedenfalls egal und er bedankte sich für das Geschenk. 1-0 also für Espanyol, aber Barça machte weiter das Spiel und erhöhte den Druck. Nur dem überragenden Espanyol-Keeper war es zu verdanken, dass Espanyol zur Halbzeit noch kein Tor kassiert hatte.

In der Nachspielzeit trat dann der Schiri erstmals negativ in Erscheinung, indem er Espanyols Nené die zweite gelbe Karte nach einem Zweikampf mit Busquets zeigte. Für meine Begriffe eine zu harte Entscheidung. Jedenfalls war Espanyol nur noch zu zehnt. Eine viel folgenschwerere Fehlentscheidung sollte aber noch folgen, ebenfalls in einer Nachspielzeit.

Bengalisches Feuer sorgt für Unterbrechung

Die zweite Hälfte begann wie die erste. Barcelona erhöhte den Druck sogar noch weiter und Espanyol wehrte sich mit allen Mitteln. Guardiola setze alles auf eine Karte und brachte Samuel Etoo (dieses Mal Opfer der Rotationen), und anschließend Keita und Bojan für Abidal, Busquets und Gudjohnsen. Doch die Angriffsbemühungen von Barça wurden unterbrochen, allerdings nicht vom Gegner. In der 69. Minute fingen einige radikale Fans vom FC Barcelona, „Boixos Nois“ genannt, an, bengalisches Feuer auf die Anhänger Espanyols unter sich zu werfen. Als dann einige Fans aus der Zone sich Zugang zum Spielfeld verschaffen wollten, sah sich der Schiri gezwungen, die Partie zu unterbrechen, um eine mögliche Katastrophe zu vermeiden. Nervosität und Hektik bestimmten zu diesem Zeitpunkt das Geschehen. Paradoxerweise handelt es sich bei den „Boixos Nois“ gerade um jene Gruppe Verrückter, denen der Zutritt ins Camp Nou schon seit längerem verwehrt bleibt. Meiner Meinung nach hätten hier die Sicherheitskontrollen, angesichts des Derbys, weitaus konsequenter sein müssen.

Schiri gibt Elfmeter in der 102. Minute

Espanyol - FC Barcelona. Foto By XN44 @ Flickr.com

Espanyol - FC Barcelona. Foto By XN44 @ Flickr.com

Zehn Minuten später, als sich die Gemüter etwas entspannt hatten, wurde wieder Fußball gespielt und die Großoffensive von Barcelona brachte in der 83. dann endlich den erhofften Erfolg. Henry profitierte von einem Fehler des Keepers (schoss seinen eigenen Mann an) und erzielte bequem den Ausgleich.

Aufgrund der Unterbrechung wurden die zehn Minuten nachgespielt. Dazu kam dann die Nachspielzeit, welche drei Minuten betrug. Und ausgerechnet in der letzten Sekunde der Nachspielzeit trat der Schiri dann erneut negativ in Erscheinung, indem er einen Elfmeter für Barça pfiff, der höchst umstritten war. Etoo soll angeblich gefoult worden sein, die Wiederholungen lassen aber kein klares Faul erkennen. Messi verwandelte jedenfalls sicher und danach war das Spiel vorbei.

Sicher keine Frage, das Resultat geht soweit in Ordnung, hätte sogar vielleicht höher fallen müssen, aber die Art, wie es letzten Endes zustande kam, ist doch mehr als schmeichelhaft. Kein Wunder, dass Cantalejo von Marca 0/10 Punkte bekam. Ich denke dieses Derby wird man so schnell wie möglich wieder vergessen wollen, denn an das Spiel wird sich wohl kaum einer erinnern, sondern an die peinlichen Ereignisse, die von einer kleinen Gruppe von Idioten begangen wurden, die in anderen Stadien zurecht Hausverbot haben.

Ein Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.