Quo vadis, Real Madrid?
Bernd Schuster hat bei Real Madrid momentan einen schweren Stand. Foto: Florian K. @ Wikimedia CommonsNach der Niederlage in der Copa del Rey gegen das drittklassige Real Irún und der erneuten Schlappe gegen Juventus Turín am Mittwoch in der Champions League ist es mal an der Zeit, die momentane Situation der Königlichen etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.
Heinze: “Eine beschissene Phase”
International konnte Real bisher weitaus weniger überzeugen. Einem lustlosen und wenig überzeugenden 2-0 Heimsieg gegen die wohl schwächste Mannschaft der Champions League, Bate Borisov, folgte ein mehr als knapper Sieg gegen den amtierenden UEFA-Cup Sieger aus St. Petersburg (1-2).
Doch erst mit Juventus Turín stand der erste namhafte Gegner der aktuellen Saison vor der Tür. Wollte man wirklich die Champions League gewinnen, so sollte es ja möglich sein, eine Juve-Mannschaft zu besiegen, bei der die Hälfte der Stammspieler zur Zeit verletzt ist und die in Italien selber gerade nicht wirklich Fuß fasst. Doch der Härtetest ging völlig in die Hose. In Turín gab es eine 1-2 Auswärtsniederlage und beim Rückspiel vorgestern verlor Real auch im Bernabéu-Stadion mit 0-2. Ausgerechnet Oldie-Star Del Piero schoss die Könglichen beinahe im Alleingang ab und wurde bei seiner Auswechslung von Real-Fans mit stehenden Ovationen bedacht. Zu allem Übel verletzte sich auch noch Robben beim Aufwärmen und fällt für die kommenden sechs Wochen aus. Abwehrspieler nahm nach dem Spiel kein Blatt vor dem Mund, als er meinte, dass die Mannschaft zur Zeit “eine beschissene Phase” durchmache.
Del Piero schoss beim 0-2 am Mittwoch beide Treffer für Real. Hier gibt es das schönere der beiden als Video:
Auch in der Copa del Rey Chance nicht genutzt
Wenn es schon gegen die Großen nicht geht, sollte es doch wenigstens gegen einen drittklassigen Verein machbar sein, überzeugend zu gewinnen, oder etwa nicht? Die wunderbare Chance hatte Real im nationalen Pokal Ende Oktober gegen Real Irún und ich möchte nicht wissen, wie viele Leute viel Geld auf einen sicheren Sieg Reals getippt.. und verloren haben. Denn ja, selbst gegen eine drittklassige Mannschaft gab es eine Niederlage (3-2).
Keine klare Linie erkennbar
Es ist diese inkonstante, diese unvorhersehbare Leistung, die Grund zur Sorge macht. Es fehlt irgendwie die Überzeugung, die z. B. der FC Barcelona oder der FC Villareal ausstrahlen. Dabei sind die Spieler wie gesagt keineswegs das Problem. Higuaín ist zur Zeit in einem Formhoch und auch Van der Vaart oder Robben haben des Öfteren gezeigt, zu welch großen Fußballern sie gehören. Auch Van “Gooal” Nistelrooy und selbst Raúl treffen noch recht zuverässig. Höchstens in der Abwehr gibt es so einige eklatante Schwächen und auch Casillas wirkte in der letzten Saison weitaus sicherer. Aber generell scheint die (Zu-)Ordnung auf dem Feld nicht zu stimmen, auch das Taktikkonzept scheint des öfteren undurchdacht zu sein.
Liegt es an Schuster?
Kein Wunder also, dass der Architekt der Madrider Spielweise, Bernd Schuster, nun immer mehr öffentlich in die Kritik gerät. Dass er und die Presse sowieso keine Freunde sind, dass dürfte sich ja mittlerweile rumgesprochen haben. Die Spieler dagegen scheinen zu ihm zu halten und ihn zu mögen. Und die Fans? Der Radiosender Cadena Ser führte heute diesbezüglich eine Online-Umfrage durch. Gefragt wurde, ob Schuster als Trainer von Real Madrid noch Vertrauen ausstrahle. Die Antwort war mehr als eindeutig: 75% der Internetsurfer beantworteten die Frage mit “Nein”. Auch ich zähle mich dazu. Zu experimentierfreudig auf der einen Seite, zu inkonsequent und launisch auf der anderen verhält Schuster sich nicht nur gegenüber der Presse, sondern auch in seiner Rolle als Trainer. “Mehr Aufsteller als Trainer” sei er, hörte ich spanische Sportexperten wie Manolo Lama kürzlich sagen, womit er auch nicht ganz Unrecht hat, wenn man seine Reaktionen während des Spiels beobachtet, die meistens nur kommen, wenn der Schriri mal wieder irgendwas verbrochen hat.
Ich denke die Antwort auf unsere Zweifel und Hoffnungen wird uns spätestens in einem Monat gegeben werden, dann wenn nämlich Real auf den Erzrivalen Barça trifft, der momentan der Benchmark der Liga und somit auch das Maß aller Dinge ist. Am 14.12 wird es so weit sein.
Müsste ich jetzt wetten, so wäre ich ganz schön überfragt. Denn bei diesem Real ist zur Zeit alles möglich. Dies gilt leider für beide Extreme.




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