Auf WIEDERsehen, Kapitän!

Für Raúl González dürfte der Montag mit Sicherheit der bewegendste in seiner langen Karriere als Fußballspieler gewesen sein. Weder die drei Champions League-Titel, noch der Weltpokal von 1998, noch seine sechs Meisterschaften waren bisher in der Lage ihm eine Träne zu entlocken. Doch vorgestern, im Spiel, das er wohl niemals hatte spielen wollen, in dem es hieß Abschied von all dem zu nehmen, was ihn über seine gesamte Laufbahn als Fußball umgeben hatte, da konnte er die Tränen nicht zurückhalten.

Offizielle Abschiedsrede

In der Loge des Bernabéu-Stadions verabschiedete sich Raúl zunächst in Anwesenheit des Präsidenten Florentino Pérez, der Vorstandsmitglieder und einiger ehemaliger Real-Spieler mit einer offiziellen Rede („Ich liebe den Fußball über alles und Spieler bei Real Madrid zu sein ist der schönste Traum den ich mir vorstellen kann“). Er bedankte sich bei seiner Familie, Freunden und Kollegen, u. a. bei Jorge Valdano dafür, dass er ihm 1994 (damals war Valdano Trainer bei Real) als 17-jähriger das Vertrauen geschenkt und ihn gegen Zaragoza die Chance gegeben hatte, zu debütieren.

Tränen bei Abschied von den Fans

Unmittelbar nach der Rede ließ es sich der Rekordspieler Reals nicht nehmen das Spielfeld des Bernabéus zu betreten sich von den Fans zu verabschieden, die sich in der Südkurve („Fondo Sur“) versammelt hatten, um ihren „Kapitän“ zu ehren und würdigen. Anwesend waren ca. 2000 „Raul-Anhänger“, doch wären es sicherlich deutlich mehr gewesen, wenn der Klub im Voraus angekündigt hätte, dass das Stadion während des Abschieds zugänglich sein würde. Raúl nahm sich alle Zeit der Welt, unterzeichnete Bücher, Trikots und auch sonst alles, was ihm die Fans über die Ordner zukommen ließen. Er genoss den Moment sichtlich, obwohl er wusste, es würde der vorerst letzte Auftritt vor Real-Fans im mythischen sein. Zwölf Minuten verbrachte er vor der Südkurve, winkte und bedankte sich für die Anwesenheit.

Pressekonferenz vor zahlreichen Journalisten

Bei der anschließenden Pressekonferenz wirkte Raúl bereits gefasster und stand den zahlreichen Journalisten, unter denen auch logischerweise viele deutsche zu finden waren, Rede und Antwort. Während die spanischen Reporter vorrangig Fragen zu seiner „weißen“ Vergangenheit stellten, versuchten die Vertreter deutschsprachiger Medien ihm Informationen zu seinem bevorstehenden Engagement bei Schalke zu entlocken. Raúl, der den Fokus der Pressekonferenz eindeutig auf den Abschied legen wollte, beschränkte sich lediglich darauf zu gestehen, dass es mit Schalke die intensivsten Gespräche gegeben hätte. Raúl gab zu, noch nie wirklich außerhalb Madrids gewesen zu sein: „Meine 33 Jahre habe ich in Madrid verbracht. Ich verlasse die Stadt nur einmal im Jahr, um Urlaub auf Menorca zu machen. Es wird also eine Erfahrung sein“, so der Top-Star.

Anruf vom König

Nach der Pressekonferenz bekam Raúl einen Anruf von König Juan Carlos von Spanien, der ihm Glück wünschen und ihn an die schönen Momenten erinnern wollte, die er Raúl ihm als Real-Fan in den letzten 16 Jahren bereitet hatte.

Raúl, Symbolfigur des „Madridismo“

Mit Raúl González Blanco verlässt ein Spieler Real Madrid, der als Symbolfigur des „Madridismo“ gilt, als jemanden der die Werte des Klubs wie kaum ein anderer repräsentiert. Ein Spieler, der aber nicht nur auf dem Platz sondern auch abseits von ihm stets ein Vorbild gewesen ist, sowohl sportlich als auch menschlich.

Mit ihm geht auch das letzte Mitglied jener Mannschaft, die in der Saison 96/97 den siebten Champions League-Titel Reals holte. Ein Spieler, der nicht nur von seinen Kollegen sondern auch von seinen Gegenspielern stets respektiert worden ist. Der Liga wiederum geht einer der fairsten Spieler verloren (er sah nie die rote oder gelbrote Karte und musste auch kein einziges Spiel aufgrund einer Gelbsperre aussetzen). Aber es ist kein langfristiger Abschied sondern vielmehr ein „auf Wiedersehen“. Raúl wird, und daran zweifelt niemand, irgendwann wieder zu den Königlichen zurückkehren und dann seine zweite Etappe bei Real absolvieren, vermutlich als Trainer. Doch zunächst einmal ist er noch aktiver Spieler und wird als solcher für die kommenden 24 Monate im Dienste von Schalke 04 stehen. Viel Glück dabei und auf WIEDERsehen!

Ein Kommentar

honhales haaaul….. wiedersehen alter gelsenkirchener….

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.